Der Natur-Cent ein Naturwunder? – Die Geschichte einer Gewissenserleichterung!

Was kost die Welt

Der Senat hat sich im Zusammenhang mit seinem Ziel, 10.000 neue Wohnungen pro Jahr zu genehmigen, auf einen ökologischen Finanzausgleich für Grünflächen in Millionenhöhe verständigt. Hamburg ist das erste Bundesland, das einen solchen Mechanismus für Flächenverbrauch einführt. Bauherren und Mieter werden dadurch nicht zusätzlich belastet. Umweltsenator Jens Kerstan lobt das Modell: „Wir haben mit dem Natur-Cent ein kluges Konzept entwickelt, das neuen Wohnraum ermöglicht und zugleich Hamburgs grüne Identität erhält und stärkt.“

Weiteres zu dieser Pressemitteilung unter dem Link:

https://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/6152642/2016-05-23-bue-natur-cent/

In der oben angeführten Pressemitteilung wird der Bevölkerung vorgegaukelt, man könne zerstörte Natur auf anderen Flächen wieder ausgleichen.

Natur lässt sich nicht ausgleichen! Den „Naturwert“ einer zerstörten Fläche kann man nicht auf eine andere Fläche übertragen!

Da der Hamburger Senat, statt auf Konversionsflächen, vermehrt im Landschaftsschutz baut, werden in erster Linie Biotope zerstört, also Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tierwelt, die aufeinander abgestimmt und angewiesen sind. D. b. weitere Verarmung der Natur in Hamburg.

Die Zerstörung solcher Flächen kann nicht ausgeglichen werden, weil man das Netzwerk eines Biotops nicht wieder herstellen kann! Was lediglich möglich ist, dass man durch Landschaftsgärtnerei bestehende Flächen „grüner“ machen, oder bisher von der Gärtnerei vernachlässigte Flächen wieder besser betreuen kann. Das hat aber mit Ausgleich sehr wenig zu tun!

Selbst wenn man bestehende Flächen unter Naturschutz stellen würde, ist das nichts Zusätzliches und kann nicht einem Ausgleich zugrechnet werden, denn sie sind ja schon da. Der Ausgleich einer zerstörten Fläche ist in einem endlichen System rein mathematisch nicht möglich. Flächen sind auf unserer Erde nicht vermehrbar!

Der Mechanismus des propagierten „Flächenausgleichs“ sieht genaugenommen so aus: Es wird wertvolle Natur vernichtet und dafür soll später weniger Wertvolles durch Gärtnerarbeiten „verbessert“, oder nicht intakte Grünflächen renaturalisiert werden.

Ganz schräge ist, dass von einem Mechanismus des Ausgleichs gesprochen wird.

Ein Mechanismus ist ein zwangsläufiger Ablauf innerhalb eines Systems. Wenn sich also z.B. in einem Getriebe ein Teil bewegt, dann bewegen sich auch alle anderen Teile. Wie soll das bei einem offenen System, wie einem Verwaltungsakt, funktionieren?

Der sogenannte Natur-Cent soll aus den zu erwartenden Grundsteuereinnahmen der neu entstandenen Bebauung in eine Kasse fließen und dieses Geld für einen nicht möglichen Ausgleich, also für Landschaftsgärtnerei, ausgegeben werden.

Sofort, später, vielleicht oder vielleicht doch nicht? Und falls doch, wer garantiert eine ständige Überwachung dieses „Mechanismusses“.

Mehrfachbenennungen von Ausgleichsflächen und das Untätigsein bei der Aufwertung,  zeugen nicht von einem funktionierenden und seriösen System, ganz im Gegenteil, es schürt das Misstrauen.

Gefährlich ist das neue System ohnehin! Fällt es doch den Beteiligten jetzt umso leichter, dem Grünflächenfraß zuzustimmen, weil ja das ev. aufkommende schlechte Gewissen mit der Illusion des Flächenausgleichs beruhigt wird. Eine psychische Ausgleichsmaßnahme?

Die Notwendigkeit vom Bau neuer Wohnungen und die unstrittige Unterbringung von Flüchtlingen, lassen sich auch ohne große Zerstörung von Grünflächen bewerkstelligen!

Fazit:

Die Begriffe, Natur-Cent und Mechanismus für Flächenverbrauch sind irreführend!

Ein Konzept kann nicht klug sein, welches der Naturvernichtung lediglich Cent-Beträge für Reparaturarbeiten zubilligt!

Der Natur-Cent ist weder Mechanismus noch Gesetz, man kann ihn auch wieder einstampfen.

Es ist wichtig wie nie zuvor, dass die Naturschutzverbände stärker zusammenrücken und mit Gegenwehr agieren und reagieren!

Wer Verteidigung unterlässt, ist für die späteren Folgen voll verantwortlich!